In Ungarn hat Ministerpräsident Viktor Orban nach dem durch die Pandemie verursachten wirtschaftlichen Abschwung beschlossen, den Wohnungsbau stark in den Vordergrund zu rücken. Gleichzeitig erlauben der ständige Preisanstieg und die wachsende Nachfrage der Mehrheit der neuen Käufer nicht, eine Immobilie in einem der aktivsten Wohnungsmärkte Europas zu erwerben. 

Ergriffene Maßnahmen

Um die Situation im Wohnungssektor zu verbessern, hat die Regierung die Mehrwertsteuer auf Immobilien auf 5% gesenkt, was deutlich unter dem in Ungarn üblichen Satz von 27% liegt. Außerdem haben die Behörden Zuschüsse für die Renovierung von Häusern in der Höhe von etwa 10.000 Dollar ausgegeben. Laut Marktexperten wird das aber zu einem weiteren Anstieg der Wohnkosten führen, da die Nachfrage nach Arbeitskräften und Baumaterialien steigen wird. 

Was hat zur Steigerung der Preise geführt?

Seit 2015 hat das Land nach Luxemburg den zweitstärksten Anstieg der Immobilienwerte unter den 37 OECD-Mitgliedern erlebt. Das liegt vor allem an:

  • großzügigen Subventionen für Familien beim Kauf von einem neuen Wohnraum,
  • niedrigen Zinsen, die das Interesse von Investoren wecken,
  • einem Mangel an Bauunternehmern,
  • den steigenden Kosten für Baumaterialien. 

Infolgedessen müssen die meisten Bewohner von Budapest nun über mehrere Jahre hinweg Geld aufbringen, um eine Anzahlung für den Kauf eines bescheidenen Hauses in den Vorstädten zu leisten. Die einzige Möglichkeit, den Rest auszuzahlen, ist eine Hypothek. In einer solchen Situation ist es für Alleinstehende, die nicht vom Staat subventioniert werden, am schwierigsten. 

Immobilien in Ungarn

Immobilienpreise

Nach Angaben der Zentralbank Ungarns liegt Budapest bei den Wohnkosten derzeit an vierter Stelle unter den europäischen Hauptstädten, gleich nach Paris, Prag und Bratislava. Fachleute auf dem Gebiet der Wohnungsbau gehen davon aus, dass die durchschnittlichen Kosten für Wohnungen in Neubauten der Hauptstadt in naher Zukunft auf 3.300 Dollar pro Quadratmeter steigen werden. Damit werden die Preise 2-mal höher als vor 5 Jahren.

Analytische Daten

Laut Wirtschaftswissenschaftlern wird der Bausektor einer der Haupttreiber sein, die Ungarn helfen werden, sich von der Pandemie zu erholen. So glauben die Experten der Takarekbank, dass die Zahl der neuen Projekte in diesem Jahr um 13% und im nächsten Jahr um 8,2% steigen wird. Zum Beispiel ist ihre Zahl im letzten Jahr um 9,1% gesunken. 

Laut Peter Virovacz, einem Wirtschaftler der ungarischen Bank ING, sollten die von Orban ergriffenen Maßnahmen zu einem Anstieg des Wirtschaftswachstums von bis zu 1% führen. Der Experte glaubt, dass die Wirtschaft des Landes allmählich schrumpfen wird, aber die Situation wird vom Bausektor gerettet, der während seiner Entwicklung den Rückgang von Dienstleistungen und Industrie abmildern wird. Die Regierung prognostiziert unterdessen ein Wirtschaftswachstum von 4,3% in diesem Jahr und mehr als 5% im nächsten Jahr.